Tourismus in Cottbus

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Die Feige-Straße

Die Feigestraße verläuft von der Straße der Jugend rechts neben dem „Gladhouse“ in östlicher Richtung und knickt nach etwa 150 m in einem stumpfen Winkel südlich ab. Sie war ursprünglich ein Teil der Inselstraße, in die sie heute einmündet. Die Umbenennung der Straße von der Inselstraße zur Feigestraße erfolgte am 15.04.1905.

Biographie:

Als einzige Tochter am 22.11.1824 in einer angesehenen Familie in Cottbus zur Welt gekommen, wuchs sie dennoch in bescheidenen Verhältnissen auf. Der Vater betrieb eine Schankwirtschaft mit Brauereigerechtigkeit am Markt 213 (später 214, heute 14). Auguste erbte das elterliche Vermögen und das der beiden wohlhabenden Schwestern der Mutter und wurde eine „gute Partie“. Sie genoss hohes Ansehen, war aber unverheiratet. Schicksalhaft wurde für sie der 17.04.1856, als bei einem plötzlich ausbrechenden Unwetter ein Buchhalter Schutz in ihrem Haus suchte. Es war der am 17.04.1827 in Osterburg geborene Ludwig Wilhelm Löber. Ausgerechnet dieser zweieinhalb Jahre jüngere und lebenslustige Kaufmann eroberte ihr Herz im Nu. Ihm reichte die damals 32-jährige am 05.08.1856 die Hand fürs Leben. Sie führten eine gute Ehe, bis sich das leichtsinnige Verhalten ihres Mannes nicht mehr verbergen ließ. Als Konkursverwalter hatte er das ihm erwiesene Vertrauen missbraucht und nicht für sich, wohl aber für „sogenannte Freunde“ Geld unterschlagen. Er wurde zur Rückerstattung des veruntreuten Betrages sowie zu einer empfindlichen Haftstrafe im neu erbauten Gefängnis Bautzener Straße verurteilt. Damit begann Auguste Feiges Leidensweg. Um das Schicksal ihres Mannes zu erleichtern, besuchte sie ihn häufig im Gefängnis. Sie selbst fiel bei der feinen Cottbuser Gesellschaft in Ungnade. Während der Haftzeit des Mannes betrieb sie am Markt eine kleine Mineralwasserfabrik. Als ihr Mann die Strafe verbüßt hatte und die entstandenen Verluste ersetzt waren, blieben die Cottbuser Bürger trotzdem auf Distanz zu ihnen. So lebten die beiden 15 Jahre lang zurückgezogen. Besuch kam trotzdem. Wenn jemand unerwartet in Geldnot geriet, fand er sehr wohl den Weg ins Haus der Löbers. Das ertragene Leid hatte Auguste mitfühlend gemacht, und sie half immer aus. Vielleicht entsprach es auch ihrem Stolz, sich trotz erfahrener Ablehnung anderen gegenüber großzügig erweisen zu können. So prägte der Volksmund in Cottbus den berühmten Spruch: „Geht dein Geld zur Neige, geh zu Auguste Feige!“ Nach dem Tod ihres Mannes im Jahre 1896 engagierte sie sich verstärkt in der Unterstützung von Armen und Bedürftigen. In dieser Zeit kam ihr der Gedanke einer Stiftung, deren Errichtung in ihrem Testament verankert wurde. Am 13.01.1897, zwei Tage vor ihrem Tod, schrieb Auguste ihr Testament, das am 19.01.1898 verkündet wurde.Sie hinterließ ihr gesamtes Vermögen zur Gründung einer sozialen Stiftung der Stadt Cottbus. Zu ihrem Vermögen zählten unter anderem die Grundstücke: Feigestraße 1, Altmarkt 14, Dreifertstraße 8, Ostrower Platz 16/17.

Würdigung

Noch heute erinnert vieles in Cottbus an die beliebte Auguste Feige.

Grabstätte

Ihre Grabstätte befindet sich heute auf dem Nordfriedhof. Der Grabstein erinnert an Auguste Löber, geb. Feige und ihre Stiftung.

Auguste - Stiftung zu Cottbus

Den Grundstein für die Stiftung hatte die Kaufmannswitwe Auguste Löber, geborene Feige mit ihrem Testament vom 13.01.1897 gelegt. Die kinderlose Wohltäterin hatte ihr Vermögen (u.a. ca. 500.000 Mark und Immobilien) in diese Stiftung eingebracht, deren Zweck es war, „in Cottbus geborenen, evangelischen Mädchen und Witwen besserer Stände, die sich zur Kirche halten, in einem zu erbauenden Stiftshaus freie Wohnung und eine monatliche Rente zu gewähren“. Das Statut der Stiftung wurde am 16.09.1897 aufgesetzt und am 13.12.1897 erhielt die Stiftung durch eine königliche Order die Rechte einer juristischen Person. Zwischen 1898 und 1900 entstand auf einem unbebauten Gelände der Familie Feige (damalige Inselstraße) ein viergeschossiges Gebäude nach einen Entwurf des Cottbuser Stadtbaumeisters Josef H.Richter. Es wurden 24 Zwei-Zimmer-Wohnungen, ein Speisesaal, ein Gebetsraum und Wirtschaftsräume geschaffen sowie ein Garten angelegt.Die Einweihung des Stifthauses fand am 30.06.1900 statt. Das Haus beherbergte noch bis nach dem Krieg „unbescholtene, in Cottbus geborene evangelische Mädchen und Witwen besserer Stände“. Nach 1949 ruhte die Stiftung. Der Bestandsschutz in einer Klausel des Stiftungsvertrages verbietet jedoch das Auflösen der Stiftung. Die Stiftung arbeitete nicht, existierte aber. 1998 bekam die Stiftung ihr Gebäude wieder zurück. Mit der Neukonstituierung eines siebenköpfigen Kuratorium wurde die Stiftung am 24.09.1999 handlungsfähig und nahm die Stiftungsdarbeit wieder auf. In jedem zweiten Monat tagt das Kuratorium. Die Mitglieder des Kuratoriums sind: der jeweilige Bürgermeister der Stadt Cottbus, der Inhaber der 2.Pfarrstelle der ev. Kirchengemeinde St. Nikolai, ein Arzt der Stadt, ein Rechnungsführer und drei einfache Bürger der Stadt.

Stiftungshaus Feigestraße1

Der Bau des Hauses begann am 16.06.1898. Nach zweijähriger Bauzeit wurde es am 30.06.1900 eingeweiht. Das viergeschossige Gebäude entstand auf einem unbebauten Gelände der Familie Feige. Das Gebäude wurde 1954/55 von der Stadt übernommen und zum Altenpflegeheim umgebaut. 1985/87 stand eine umfassende Modernisierung unter der Aufgabe der Aufgliederung in Kleinwohnungen an. 1998 übernahm das DRK das „Betreute Wohnen“ in diesem Haus. Von Oktober 2002 bis August 2003 wurde das Gebäude erneut umfassend saniert. Nach der Fertigstellung wurde hier eine Ambulante Rehabilitationseinrichtung eröffnet. An der Hoffront entstand ein 900 qm großer zweigeschossiger Anbau. Darin untergebracht sind ein Schwimm- und Bewegungsbad, Umkleide- und Saunaräume sowie Räume für eine medizinische Trainingstherapie. Das gesamte Gelände des heutigen Gesundheitszentrums „Reha-Vita“ wurde behindertengerecht ausgestattet, beide Bauteile sind durch einen überdachten Gang verbunden. Den angrenzenden Park bepflanzte man mit Gehölzen und Blumen, es entstand ein Volleyballplatz am Ende der Anlage.

Weitere zum Siftungsvermögen der Auguste Feige gehörenden Grundstücke und darauf im Auftrag der Stiftung errichtete Mietwohnhäuser, sind:

Altmarkt 14

Dieses Wohngebäude wurde von 1983 bis 1985 erbaut. Es handelt sich allerdings um einen Kopiebau. Hier standen bis zum Abriss im Jahre 1980, das kleine Bürgerhaus mit der Nummer „Altmarkt 14“ von 1693, wie es aus der Inschrift der historischen Wetterfahne zu entnehmen ist. Der Abriss erfolgte aufgrund des sehr maroden Zustands der vorhandenen Bausubstanz. Das heutige Haus besteht aus zwei ehemals eigenständigen Gebäuden.

Dreifertstraße 8

Dieses Eckgebäude ist ein geschütztes Baudenkmal und wurde 1903/04 direkt im Auftrag der Augustestiftung durch die Firma des Architekten Georg Schneider entworfen und gebaut. Jahrelang verkam der einstige Prachtbau zur hässlichen Ruine und versteckte sich hinter Planen und Baugerüsten. 2008 nahm sich der Investor Peter Rudolph des vernachlässigten Schmuckstückes an. Ab dem Jahre 2000 wurde mit einer umfassenden Restaurierung des Gebäudes begonnen. Das Mietwohnhaus hat einen Seltenheitswert, da es in der Region an weiteren Beispielen mangelt. Außerdem verkörpert es den Höhepunkt der späthistoristischen Baukunst in Cottbus.
Der Planer und Bauherr Peter Rudolf erhielt für die Sanierung im September 2011 den Cottbuser Denkmalpreis.

Ostrower Platz 16/17

Diese Gebäude wurden 1800 erbaut und befanden sich in den Jahren 1830 bis 1940 im Besitz von Friedrich Bertram. Seit 1907 sind die Gebäude Eigentum der Augustestiftung.

Dreifertstraße 8, Foto von irae011 Wikipedia Feige-Straße 1