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Die Blechenstrasse

Im Jahre 1892 wurden mehrere Straßen in Cottbus durch eine Kommission des Stadtbauamtes neu benannt. So wurde auch die frühere Friedhofstraße zu Ehren des in Cottbus geborenen Künstlers umbenannt in Blechenstraße. Die Straße befindet sich in der Stadtmitte von Cottbus. Heute ist sie recht unbedeutend dafür, dass sie den Namen eines bedeutenden Landschaftsmaler trägt. Sie verläuft vom Bahnhofsberg in östlicher Richtung entlang der Bahngleise bis zur Lobedanstraße.

Carl Eduard Ferdinand Heinrich Blechen
der ,,Vater der märkischen Landschaftsmalerei „.

Carl Blechen war der geborene Maler und einer der bedeutendsten Landschaftsmaler in der deutschen Kunst.
Er malte mit dem Hang zum Abgründigen, skizzenhaft, mit lockerem Pinselstrich romantische Landschaften, sowie einfache, unscheinbare Motive der Natur in freizügiger Farbbehandlung. Blechen hätte die durch Menschen gestaltete und gezähmte Natur nie gemalt, ihn faszinierte die verwilderte, unberührte Landschaft. Einige Werke seiner Zeit, mit denen er etwas Dämonisches in der Natur herausstellte, gewähren Einblicke in Probleme, die den Maler bedrängten: Der Mensch, insbesondere der Künstler, wird durch finstere Mächte bedroht, und er lädt die Schuld auf sich. Der erotische Trieb ist sündhaft, und die Religion bietet keinen Ausweg. Er behandelte drei biblische Themen skizzenhaft: Liebesverlangen, Gewalt und Verzweiflung. Nur wenige bewunderten seine Malerei, die in der Kunstszene Deutschlands für die meisten Betrachter Verwirrung stiftete. Auch wenn Carl Blechen nach seinem frühen Tod nie ganz vergessen wurde, brachte erst die Retroperspektive 1881 und vor allem die deutsche Jahrhundertausstellung 1906 in der Berliner Nationalgalerie eine umfangreiche Anerkennung seiner künstlerischen Leistungen. Für seine Geburtsstadt Cottbus war es verpflichtend, der Öffentlichkeit sein Leben und seine Werke in einer Sammlung näher zu bringen. Das folgende Zitat des Kunstkritikers Karl Scheffler unterstreicht die große Bedeutung der Kunstwerke eines Carl Blechen: "Seine Kunst hat nichts von der plastischen Strenge Schadows, nichts von Krügers unendlich begabten Professionalismus, nichts von Menzels Pflichtfanatismus. Seine Kunst tut, was in Berlin die Kunst fast nie getan hat: sie blüht. Sein Realismus ist nicht charaktervoller Überzeugung, sondern ein schöner Instinkt; er wirkt nicht östlich kolonial (obwohl er aus Cottbus stammt), nicht märkisch frugal, nicht kleinbürgerlich und selbstgerecht: unter den Männern der Prosa ist er ein beschwingter Lyriker, ein Dichter. Seine Kunst ist in ihren besten Teilen wie ein holdes Wunder..."

Biographie

  • 1798 29. Juli, Carl Eduard Ferdinand Heinrich Blechen wurde als Sohn des Steuerbeamten Anton Adrian Blechen und seiner Frau Johanna Christina (geb. Happatz) in Cottbus geboren.
  • 1814 begann er auf Wunsch seiner Eltern mit der Ausbildung zum Bankkaufmann in Berlin.
  • 1818 meldete er sich als Freiwilliger im Königlichen Garde-Pionier-Korps in Berlin
  • 1821 Selbstmord des Vaters (Ertränken in der Spree)
  • 1822 nach Jahren gab er seine erlernte Tätigkeit im Bankfach und damit seine gesicherte Existenz auf; er wurde Schüler in der Akademie der Künste in Berlin.
  • 1823 unternahm er eine Reise nach Dresden und in die Sächsische Schweiz. In Dresden lernte Blechen die Maler Johann Christian Clausen-Dahl und Caspar David Friedrich kennen.
  • 1824 27.November, Heirat mit Henriette Dorothee Boldt; er erhielt durch Vermittlung von Carl Friedrich Schinkel die Anstellung als Bühnenmaler am Königsstädtisches Theater in Berlin.
  • 1827 gab Blechen seine Anstellung am Königsstädtischen Theater in Berlin auf, er wollte mehr als nur der Erfinder von Theaterdekoration sein und wurde freischaffender Künstler.
  • 1828 im Sommer unternahm er eine Reise an die Ostsee, auf die Insel Rügen; Ende September reiste er von Berlin aus weiter nach Italien und blieb dort bis zum Oktober 1829.
  • 1830 im Herbst wurden auf der Akademie-Ausstellung drei Landschaftsgemälde mit italienischen Motiven von Blechen ausgestellt.
  • 1831 wurde er nach seinen Malreisen an die Ostsee und nach Italien, auf denen er seine neue Seh- und Malweise ausprägte, zum Professor der Landschaftsklasse an der Berliner Akademie ernannt.
  • 1835 Blechen wurde zum Mitglied der Berliner Akademie der Künste ernannt.
  • 1836 bei Blechen zeigten sich erste Anzeichen einer zur Schwermut führenden Nervenkrankheit.
  • 1837 Blechen musste sich einer längeren Behandlung in einer Nervenheilanstalt unterziehen.
  • 1840 Todesanzeige in der Vossischen Zeitung vom 25. Juli 1840

      Am 23. Juli in der früh 6.30 Uhr entschlief nach langem Leiden in seinem 43.Jahre mein Mann, der Landschaftsmaler, Professor und Lehrer bei der königlichen Akademie der Künste, Carl Blechen. Indem ich dies in tiefster Betrübnis statt jeder besonderen Meldung, allen Freunden und Bekannten ergeben anzeige, bitte ich um stille Teilnahme
      Henriette Blechen.

Würdigung

In Blechens Geburtsstadt Cottbus wurden zu Ehren des berühmten Malers eine Straße, Schulen, eine Parkanlage mit angrenzendem Pflegezentrum und seit September 2008 auch ein Einkaufszentrum nach ihm benannt.

Carl-Blechen-Schule (frühere Bürger-Töchterschule)

Nach 1873 wurde auf dem nördlichen Teil des ehemaligen Friedhofsgeländes, vor dem Spremberger Tor für die 1859 gegründete Bürger-Töchterschule, spätere Mädchenmittelschule, ein Neubau errichtet. Das Gebäude der ehemaligen bürgerlichen Mädchenmittelschule war ein rotes dreistöckiges Backsteingebäude, das im April 1875 eingeweiht wurde. Für die Stadt Cottbus war das ein großer Fortschritt. 1948 erhielt die Schule anlässlich des 150. Geburtstages des Malers den Namen „Carl-Blechen-Schule“. 1978, nach der Schließung der Schule, diente der Bau als Funktionsgebäude für das Theater. Durch die gänzlich andere Funktion für das Gebäudes kam es zu Veränderungen in der Innenstruktur.

Das unter Denkmalschutz stehende Schulgebäude ist heute in dem modernen Einkaufszentrum Blechen-Carré in der Stadtmitte integriert.

Carl-Blechen-Grundschule

Die erneute Namensgebung der Schule erfolgte feierlich durch den Stadtverordneten Herrn Neisener, nachdem in der Wendezeit der Name aberkannt wurde. Die ehemalige 5.Polytechnische Oberschule „Carl Blechen“ wurde nach der Schulreform in Brandenburg zur 8.Grundschule. Nachdem sich das Kollegium der 8.Grundschule zusammen gesetzt hatte, wurde im Jahre 1993 in der Lehrerkonferenz und später in der Schulkonferenz beschlossen, den Namen Carl Blechen wieder zu beantragen. Es erfolgte ein Antrag an die Stadtverordnetenversammlung und diese beschloss, dass die 8.Grundschule den Namen „Carl Blechen“ seit dem 1. Juni 1994 wieder führen darf.

Blechen-Carrè

Im Rahmen der Umgestaltung und Modernisierung des Stadtzentrums wurde 2006 der Grundstein für ein großes modernes Einkaufszentrum gelegt. Der Erhalt der denkmalgeschützten Blechen-Schule war ebenso Bedingung für den Neubau wie die Anbindung an das Kaufhaus „Galeria“ in der Karl-Liebknecht-Straße. Innerhalb des Baugeschehens wurden bei archäologischen Grabungen auf dem Gelände des zukünftigen Blechen Carrés Reste eines mittelalterlichen Begräbnisplatzes gefunden. Nach einer 22-monatigen Bauzeit wurde am 26.09.2008 das moderne Einkaufszentrum feierlich eröffnet Auf insgesamt 5 Ebenen, davon 3 Hauptverkaufsebenen, und 19.600 Quadratmetern Fläche fanden über 80 Shops,Gastronomiebetriebe und Serviceunternehmen ihr neues Domizil. Bei der Anwerbung von Mietern konnte ein stabiler und zukunftsorientierter Branchenmix erreicht werden, von dem Cottbus profitiert. Plänen für einen zweiten Bauabschnitt in nördlicher Ausdehnung haben die Stadtverordneten schon im April 2010 zugestimmt.

Carl-Blechen-Park Cottbus

Auch der Park ist dem berühmten Künstler und Sohn der Stadt Cottbus gewidmet. An der Ostseite der Spree entstand er nach 1930 und präsentierte sich mit seltenen Bäumen und erlesenen Blütenstauden als gärtnerisches Kleinod. Die 1934/1935 geschaffene Uferpromenade hat mit dem nach Süden verlaufenden „Rosenufer", heute Ludwig-Leichhardt-Allee, eine gelungene Erweiterung gefunden. Der frühere Blechen-Park war, mit dem schilfrohrbedeckten Kiosk und der Freilichtbühne, an den Wochenenden ein beliebter Treffpunkt für die Cottbuser und ihre Gäste. Kulturelle Veranstaltungen, auch mit internationalen Künstlern und Schauspielern unseres Theaters, Filmvorführungen an Sommerabenden und die Versorgung am Imbiss-Kiosk sind älteren Einwohnern noch in guter Erinnerung. Heute zeugen nur noch die Klinkersäulen davon, dass dort einmal eine Bühne stand, vor der sich im Halbrund die Sitzplätze befanden. Noch heute kann man sich im Blechen-Park bei Spaziergängen zwischen wunderschönen Blumenrabatten erholen oder in Ruhe seinen Gedanken nachgehen.

Carl-Blechen-Haus

2010 wurde das Pflegezentrum „Am Blechenpark“ in Sandow eröffnet. In diesem Pflegezentrum ist das neu errichtete „Carl-Blechen-Haus“ integriert. In zentrumsnaher Lage wurde das Pflegeheim über 5 Etagen mit modernen Wohnungen, zwei Aufzügen, einer eigenen Küche und einer für die Bewohner der Stadt offenen Kantine sowie ergänzenden sozialen und medizinischen Dienstleistungsangeboten erbaut. Die angrenzenden schönen Anlagen des Carl-Blechen-Parks laden zum Spaziergang ein.

Carl-Blechen-Geburtshaus

1948 anlässlich des 150. Geburtstages von Carl Blechen wurde eine Gedenktafel aus Naturstein an der Vorderseite des Rathauses zur Berliner Straße enthüllt. Die Inschrift erinnert an das Geburtshaus des Malers Carl Blechen, das an der Stelle des heutigen Rathauses stand.

Cottbuser Sammlung „Carl-Blechen“

1913 wurde in Cottbus mit der Sammlung von Bildern des Malers begonnen, nachdem sich seine Geburtsstadt lange mit der Würdigungen des Künstlers schwer getan hat. 1942 umfasste die Sammlung bereits 67 Gemälde, Studien und Zeichnungen des Malers und war die zweitgrößte Blechen-Sammlung in Deutschland. Während des Krieges gingen wertvolle Teile der Sammlung verloren bzw. wurden beschädigt. Nach einer wechselvollen Geschichte der Sammlung ist seit einem halben Jahrhundert das Schloss Branitz die Heimstatt für diesen wertvollen Kunstbesitz der Stadt. In einer Dauerausstellung sind sie jedem Interessierten zugänglich.

Carl Blechen-Gedenkstätte im Schloss Branitz

1959/60 wurde im Schloss Branitz eine ,,Carl Blechen-Gedenkstätte'' eingerichtet. 1970 gab es die erste Sonderausstellung mit 70 Leihgaben der Bilder von Carl Blechen, davon waren 40 Bilder aus der Sowjetunion zurückgekehrt. Aus der ersten Sonderausstellung wurde eine ständige Ausstellung mit einem erweiterten Bestand an Kunstwerken von Blechen. 1982/83 gab es erstmalig die „Blechen-Tage der Jugend'', um junge Menschen an die künstlerischen Werke Carl Blechens heran zu führen. In einer wiedereröffneten Dauerausstellung am 10. Juni 1998 geben heute 31 Gemälde, Ölskizzen und 14 Graphiken einen Überblick über die künstlerische Tätigkeit Carl Blechens.

Carl-Blechen-Preis

Der „Carl-Blechen-Preis für Kunst und Literatur“ (später „Carl-Blechen-Preis für Kunst, Literatur und künstlerisches Volksschaffen“) war eine Auszeichnung für künstlerisches Schaffen in der DDR. Der Preis wurde im August 1956 erstmalig von der Stadt Cottbus anlässlich der 800-Jahr-Feier der Stadt gestiftet und war dem in Cottbus geborenen Landschaftsmaler und Kunstprofessor Carl Blechen gewidmet. Der Preis wurde alljährlich bis 1988 vergeben und beinhaltete auch die Verleihung einer Medaille, die von Jürgen von Woyski entworfen wurde. Unter den Preisträgern waren der Maler Wilhelm Schieber (1956), Schriftstellerin Brigitte Reimann, Bildhauerin Dorothea von Philipsborn (1964), Maler und Grafiker Kurt Heinz Sieger (1963 und 1968), Schriftsteller Jurij Koch (1983) und der Maler Günther Rechn (1987).

Straßenschild Blechenstraße Die Blechenstraße Die Blechenstraße Der Blechenpark Der Blechenpark Der Blechenpark Der Blechenpark Blechentafel am Rathaus Carl-Blechen-Haus in Sandow Blechen-Carré Carl-Blechen Schule (ehemals Bürger-Töchter Schule) Carl-Blechen-Grundschule